Über den Ursprung des Koran
Vor diesem
Beitrag schrieb ich einen Kommentar zum Offenen Brief der 138
muslimischen Theologen an christliche Kirchenführer und Gedanken über die literarische Qualität des Koran. Obwohl klar ist, daß Christentum und Islam sich in
ihrem absoluten Wahrheitsanspruch gegenseitig ausschließen, scheut man
christlicherseits die Frage: Ist der Koran göttliche Offenbarung, wie der Islam
behauptet, oder nicht? Ich bin zur Auffassung gelangt, daß man den Mut haben
sollte, sich dieser Frage zu stellen und eine Entscheidung zu fällen. Die folgenden Gedanken trage ich mehr in
thesenhafter Form als in detaillierter Ausführung vor.
s.a. Bedeutung
der Zahl 19;
Der
Koran – Spiegelbild seines Verfasssers (ein Psychogramm Mohammeds)
1. Der
wünschenswerten Entscheidung stehen
mehrere Gründe entgegen:
– Seit dem Vaticanum
II hat sich die Einstellung gefestigt, in den Beziehungen zu anderen Kirchen,
zum Judentum und Islam müsse mehr das Verbindende als das Trennende im
Mittelpunkt stehen.
– Christen und
Muslime haben als gemeinsamen Gegner den zunehmend säkularen, von Gott
abgewandten Zeitgeist.
– Wahres und
Falsches sind im Islam eng verflochten, so daß man jede Festlegung auf einer
Seite als Unrecht gegenüber der anderen empfinden kann.
2. Tatsächlich
wird christlicherseits mit Vorliebe darauf verwiesen, daß Jesus und Maria bei
den Muslimen in hoher Achtung stehen, nur bedauerlich sei, daß sie Jesu
göttlichen Ursprung sowie den einen Gott in drei Person ablehnten. Und wie
könnte der Koran vom Bösen stammen, wenn die Hölle im Koran viel
nachdrücklicher dargestellt werde als im Neuen Testament?
3. Gewiß, die
Antwort ist nicht leicht. Gott kann jedoch auch aus einem unentwirrbaren System
von Wahrheit und Irrtum etwas Gutes wirken. Wie
kommt es aber zu diesem Nebeneinander?
4. Der Koran
gründet in der Person Mohammeds selbst. Wie jeder Mensch hat er die Freiheit,
zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und entsprechende Entscheidungen zu
fällen. Wie konnte er ein Opfer dämonischer Täuschung werden und als für
göttliche Offenbarung halten, was vom Bösen stammte? Siehe Anmerkung 1
5. Die
höllischen Geister sind, entsprechend einer christlichen Tradition, gestürzte
Engel, die sich unter Führung Luzifers gegen Gott auflehnten. Als ihnen der
göttliche Plan bekanntgegeben wurde, daß die zweite göttliche Person Mensch
werden solle, weigerten sie sich, sie in menschlicher Gestalt anzubeten. Durch
seinen Tod am Kreuz hat Jesus die Macht und den Hochmut der höllischen Geister
besiegt und ihm reiche Beute abgejagt. Daher liegt ihnen nichts mehr im Sinn,
als das fleischgewordene Wort Gottes zu bekämpfen. Es schien ihnen lohnend,
eine Parallelreligion hervorzubringen und dem Wahrheitsanspruch des Christentum ein angemaßtes höheres entgegenzusetzen.
Für dieses Ziel
waren sie zu größten Zugeständnissen und höchster Selbstverleugnung bereit. So
haben sie es erreicht, Wahrheit und Irrtum untrennbar zu vermengen und sich
hinter Wahrheiten bequem verbergen zu können. Ihr größter Triumph ist es, daß
Muslime bis heute glauben, dem Koran entspreche eine Urschrift im Himmel
(13:39). Deshalb nehmen alle gläubigen Anhänger Muhammads für bare Münze, was
sie im Koran und in den überlieferten Aussprüchen finden.
Ein Beispiel muslimischer
Spekulation ist, wie es mit dem Stuhlgang im Paradies
steht. Auf dieses Problem antwortet der Prophet: "Sie
verschaffen sich Erleichterung, indem sie durch ihre Haut ausdünsten". (Ibn
Hibbaan)
6. Der
islamische Gelehrte Al-Bukhari (810-870) überliefet, die erste Erscheinung im
Jahr 610 n.Chr. in einer Höhle des Berges Hira habe Muhammad in einen solchen
Schrecken versetzt, daß er Selbstmord begehen wollte. Er glaubte, von bösen
Geistern heimgesucht worden zu sein. Seine um 15 Jahre ältere Frau Chadidscha
jedoch überredete ihn zu der Auffassung, daß er zum Propheten berufen sei.
Ausführlich über diesen Punkt hat der
amerikanische Autor Craig Winn geschrieben. Tilman Nagel, emeritierter Professor für Arabistik und Islamwissenschaft,
hält es für erwiesen, daß Mohammed an Epilepsie litt (GEO kompakt Nr.16,
S.136). Die Schreckensszene der ersten Erscheinung wiederholte sich bei späteren Erscheinungen.
Der Einbruch transzendenter
Mächte verursacht immer Schrecken. Aber gute Mächte verstehen es, die Furcht zu
nehmen. "Fürchte dich nicht, Maria!" sagt etwa der Engel Gabriel zur
Jungfrau Maria, und Jesus ruft den Jüngern im Boot zu, als er nachts zu ihnen
kommt und sie meinen, es sei ein Gespenst: "Habt Vertrauen, ich bin es,
fürchtet euch nicht!" (Mt 14,27).
7. Wie kann man
sich die Entstehung der Korantexte vorstellen? Die gefallenen Engel sind
mächtige Geister, die den Menschen beherrschen wollen. Satan versprach Jesus alle
Macht der Welt, wenn er ihn anbete. So spielten vielleicht ein falscher Gabriel
oder andere Dämonen Gottesboten und gaben im Namen Gottes Botschaften, mimten
also Gott selbst. Sie paßten sich extrem Muhammads Gedankenwelt an, so daß
dieser immer mehr glaubte, daß das, was ihn selbst bewegte, identisch mit dem
war, was aus dem Mund Gottes zu kommen schien. Schließlich wird es ihm wohl
genügt haben, in einen besonderen (epileptischen?) Seelenzustand versetzt zu
sein, um seinen eigenen Eingebungen zu folgen und sie als Allahs Wort zu
verstehen. Soweit ihn dabei religiöse Verantwortung leitete, konnte er sich der
Wahrheit öffnen und Vernünftiges in den Koran aufnehmen.
Über allem
aber stand die Selbstbehauptung seines prophetischen Anspruchs, dem letztlich alles
untergeordnet wurde. Dieser funktionale Gesichtspunkt ist dem Verlauf einer
jeden Sure immanent und einmal mehr, einmal weniger ausgeprägt.
8. Die
himmlische Urfassung des Koran wird hauptsächlich
begründet mit der Unnachahmlichkeit seiner Sprache. Der Inhalt selbst spielt
dabei eine sekundäre Rolle. Mit gleichem Recht könnte man die Verse Homers,
Vergils und Shakespeares als unnachahmlich erklären und ihnen eine präexistente
Herkunft zuschreiben. Rhetorische Leistung kann sowohl dem Guten als auch dem Bösen
dienen.
Die Verse des Koran sind halb-poetisch
(semi-poetic), d.h., sie sind gereimt, aber ohne erkennbaren Rhythmus. Die Encyclopedia Britannica bemängelt, daß Muhammad auch für reine Sachthemen wie Erbfragen die einmal
gewählte Reimform, die seinem Geschmack und dem seiner Zuhörer entsprach,
sklavisch beibehielt:
Mahomet's
mistake consists in persistent and slavish adherence to the semi-poetic form
which he had at first adopted in accordance with his own taste and that of his hearers . For instance, he employs rhyme in dealing with the
most prosaic subjects, and thus produces the disagreeable effect of incongruity
between style and matter. Anmerkung
2
9. Der Koran ist
also als ein Komplott Luzifers und seines Gefolges anzusehen, welche in
Muhammad ein Opfer und bereitwilliges Werkzeug zugleich fanden, um ein
eigenartiges Imitat der biblischen Schriften – Gotteskenntnis aus zweiter Hand
– zu bewerkstelligen und es in den Rang unumstößlicher Wahrheit zu erheben.
Wenn aber der Koran in seiner Gesamtheit ein Dickicht von Wahrheit und irrendem
Wahrheitsanspruch – mit Hauptstoßrichtung gegen die Gottheit Christi und seine
Erlösungstat – darstellt, ist islamische Exegese des Koran
letztlich eine Pseudowissenschaft. Er ist gleichsam ein löchriges Gefäß, durch
das das Wasser angemaßter Wahrheit trotz allen theologischen
Abdichtungsbemühungen unablässig hindurchrinnt. Die Logik islamischer Gelehrter
wird gesteuert durch vorrationale wundergläubige Grundeinstellungen, die sie
von ihrem als unfehlbar erklärten Glaubensbuch übernommen haben. Um das
löchrige Corpus zu stützen, vereinnahmen apologetische Muslime alle
Wissensbereiche und alle geschichtliche Epochen von der griechisch-römischen
Antike bis hin zur Genwissenschaft und konstruieren aus ihnen abenteuerliche
Beweismittel, wie man sie in jedem islamischen Internetauftritt finden kann.
10. Die
Vorstellung vom himmlischen Original des Koran hält
gläubige Muslime in eisernem Griff und hindert sie an natürlicher Erkenntnis.
An der Weisheit und Schönheit der biblischen Schriften gehen sie so achtlos
vorüber. Vielmehr suchen sie mit Vorliebe nach Bestätigungen für die Lehren des Koran. Zum Beispiel interessieren sie die Stellen der
Evangelien, die der göttlichen Natur Jesu zu widersprechen scheinen. "Der
Vater ist größer als ich" (Joh 14, 28) und "Was nennst du mich gut?
Niemand ist gut als Gott allein" (Mk 10,18) sind etwa zwei Stellen. Andere
Stellen, die Jesu Göttlichkeit bezeugen, z.B. "Ich und der Vater sind
eins" (Joh 10,30), übergehen sie.
11.
Ein christlich-muslimischer Dialog ist
nicht leicht zu führen. Realistischerweise muß die christliche Seite
klarstellen, daß sie einerseits die Religiosität und Kultur der Muslime achtet,
andererseits den Koran nicht als göttliche Offenbarung annehmen kann. Unter
Wahrung des Respekts vor den jeweiligen Glaubensüberzeugungen gibt es
zahlreiche Formen der Begegnung und des gegenseitigen Sich Kennenlernens, die
man nutzen sollte.
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Am Ende meiner Ausführungen verweise ich auf die kenntnisreichen und
ausgewogenen Aufsätze von Prof. Christian Troll SJ, der sich jahrzehntelang
mit dem Verhältnis zwischen Islam und Christentum beschäftigt hat. In einem
vierteiligen Video vergleicht die zum Christentum konvertierte Sabatina James Islam und Faschismus.
ANMERKUNG 1
Die Versuchung Muhammads
Wenn Jesus durch seinen Tod am Kreuz die Macht des Bösen gebrochen hat (Kol
1,13), wie konnte er eine Parallelreligion zulassen, die seine Göttlichkeit und
seine Erlösungstat leugnet? Gott läßt weiterhin die Versuchung des Menschen
durch die bösen Geister zu, damit sich menschliche Freiheit zum Guten bewähren
kann. Wir müssen also annehmen, daß Muhammad vor seinem ersten
Offenbarungserlebnis bereits eine innere Haltung besaß, die ihn für eine
entscheidende Versuchung anfällig machte. Es ist dies eine dunkle Seite
Muhammads, der an der Seite seiner Frau Chadidscha ein wohlhabendes Leben hätte
weiterführen können, aber ein unruhiges und kämpferisches vorzog.
Den Hintergrund
für seine Laufbahn als Religionsgründer bilden Umstände seiner Biographie,
worüber ich in einem anderen Beitrag einiges
dargelegt habe. Folgendes kann vermutet werden:
In Muhammad
hatte sich schon vor seinem 40. Lebensjahr ein bereits bestehender arabischer
Monotheismus verfestigt, der sich auf Abraham zurückführte. Für die Anerkennung
dieses Eingottglaubens wollte er sich gegen polytheistische Traditionen in
Mekka mit aller Macht einsetzen. Vor diesem Hintergrund mußte er auch die
Trinitätslehre des Christentums als Polytheismus ablehnen. Also lehnte er auch
die göttliche Natur Jesu und seinen Heilsauftrag für die gesamte Menschheit ab.
Äußerster
Ehrgeiz und Eiferertum für den einen Gott weckten in ihm ein religiöses
Sendungsbewußtsein, das Luzifer durch Täuschungsmanöver zu nutzen verstand.
Zur Koransprache
Die
Vorstellung der Muslime von der präexistenten Urfassung des Koran
hängt untrennbar mit ihrem Glauben an die "Unnachahmlichkeit" der
Koransprache zusammen. Sie folgen darin Muhammad selbst, der sie herausfordernd
zum Kriterium der Echtheit seiner Offenbarungen macht:
wenn ihr im Zweifel seid über das, was Wir hinabgesandt haben zu Unserem
Diener, dann bringt eine Sure hervor wie diesen Koran. 2:23
Muhammad
verwendet meist dieselbe Reimsilbe für jeweils mehrere Verse hintereinander.
Einen Teil der Koransuren versuchte der Dichter Friedrich Rückert (1788-1866)
nachzudichten. Sure 93 lautet dann so (Prosaübersetzung
daneben):
|
1. Beim Tag,
der steigt! |
1. Beim Vormittage, |
|
2. Und bei der
Nacht die schweigt! |
2. Und bei der Nacht, wenn sie am stillsten
ist, |
|
3. Verlassen
hat dich nicht dein Herr, noch dir sich abgeneigt. |
3. Dein Herr hat dich nicht verlassen, noch
ist Er böse. |
|
4. Das dort ist
besser als was hier sich zeigt. |
4. Wahrlich, jede Stunde, die kommt, wird
besser für dich sein als die, die vorausging. |
|
5. Er gibt dir noch,
was dir zu deiner Lust gereicht. |
5. Und fürwahr, dein Herr wird dir geben und
du wirst wohlzufrieden sein. |
|
6. Fand er dich
nicht als Waisen, und ernährte dich? |
6. Fand Er dich nicht als Waise und gab dir
Obdach? |
|
7. Als irrenden,
und führte dich? |
7. Er fand dich irrend und führte dich
richtig. |
|
8. Als
dürftigen, und mehrte dich? |
8. Und Er fand dich in Armut und machte dich
reich. |
|
9. Darum den
Waisen plage nicht, |
9. Darum bedrücke nicht die Waise, |
|
10. Dem Bittenden
versage nicht, |
10. Und schilt nicht den Bettler, |
|
11. Und deines
Herrn Huld
vermelde! |
11. Und erzähle von der Gnade deines Herrn. |
Diese Sure ist eine der wenigen, deren Inhalt die poetische Form rechtfertigt.
Als unnachahmlich wird man sie jedoch nicht bezeichnen können, wenn man etwa
die hohe Kunst bedenkt, die ein Sonett erfordert. Sie zeugt von religiöser
Inbrunst, die Muhammad zu dichterischen Ausdrucksmittel geführt haben mag.
Merkwürdig
ist, daß Rückerts Versuch keine Nachahmung fand, während jede große europäische
Dichtung in anderen Sprachen im jeweiligen Versschema nachgedichtet wurde.
Dafür könnte es zwei wesentliche Gründe geben:
– Die
aufeinander folgenden Reime wirken auf Dauer eintönig; europäische Dichtung ist
reichere Variationsmuster gewohnt.
– Der größere
Teil des Koran ist keine große Kunst, sie wird
lediglich vorgetäuscht. Ein echtes Verskunstwerk wird nach Versmaß und
Sinneinheiten durchgeformt. Es genügt sich selbst durch die Logik seiner
immanenten Wahrheit. Muhammad hingegen instrumentalisiert Reim und andere
Sprachkunstmittel als Beweis für seine Offenbarungen. Darüber hinaus grenzt er
sich gegen Juden und Christen ab, schließlich lehrt er einige theologische
Grundaussagen. Die Elemente dieser drei Bereiche werden unablässig wiederholt.
Muhammad nimmt eine eigenartige Verlagerung von Sprache und Inhalt vor.
Gewöhnlich hat Sprache eine dienende Funktion: sie soll Inhalt formulieren.
Muhammad hingegen möchte durch die Wirkung von Sprache Inhalt als gottgesandt
legitimieren. Glaube vollzieht sich nicht durch Erkenntnis, sondern durch
Rezitation von Sprache. Bezeichnend hierfür ist das Auswendiglernen von
Koranversen, ohne daß die Lernenden den Sinn verstehen.
Die Reime haben darüber hinaus zwei weitere Wirkungen: Erstens, sie lenken
von der Dürftigkeit des Inhalts ab, zweitens, sie täuschen die
Zusammengehörigkeit und Sinnhaftigkeit von Inhalt vor.
Wer im
muslimischen Glauben aufgewachsen ist, wird im Koran die reine Wahrheit sehen
und Weisheit und Lebenssinn daraus schöpfen. Der Koran teilt einige wesentliche
Lehren mit dem Christentum: die Allmacht des Schöpfergottes, die
Verantwortlichkeit des Einzelnen für sein Tun, Wohltätigkeit als Form der
Nächstenliebe und das letzte Gericht.
Wer andererseits
– ich spreche verallgemeinernd von mir selbst – aus den Schriften des Alten und
Neuen Testamentes, aus dem Glaubensbekenntnis der Kirche und aus dem
eucharistischen Leib und Blut Jesu Christi zu leben gewohnt ist, wird in eine
geistige Dimension gehoben, die den Geist und die Weisheit des Koran, dem er
sich angenähert hat, weit hinter sich läßt. Die Beschäftigung mit dem Koran
kann ein starker Antrieb sein, den Glauben an Jesus Christus als Kostbarkeit
neu zu entdecken, sich die Wahrheit seiner Worte und seine machtvollen Taten
einzuprägen und eine größere Liebe zu ihm anzustreben, um sie an andere
weiterzugeben. Der Christ wird umso überzeugender sein können, je mehr er das Zusammenwirken
der drei göttlichen Personen im Heilsgeschehen menschlicher Geschichte und in
jedem Gläubigen versteht und lebt.
Ein empfehlenswerter Link: von Muslimen, die Christen wurden
Heilsgeschichtliche Perspektive
1. Abraham gilt
als Vater aller Glaubenden. Er zog in das Land, das Gott ihm wies. Der Weg, den
er ging, ist ein Bild für den Glaubensweg eines jeden einzelnen Menschen, aber
auch für den Gang der Heilsgeschichte. Joseph und seine Brüder setzten Abrahams
Weg fort nach Ägypten, Moses führte die Israeliten ins Gelobte Land zurück. Das
jüdische Volk erlitt die Härte 70-jähriger babylonischer Gefangenschaft und die
Abhängigkeit auswärtiger Potentaten. Jesus kam in die Welt, um die Botschaft
vom Reich Gottes zu verkünden und die Menschheit mit Gott durch die Hingabe
seines Lebens zu versöhnen.
Die Evangelien entstanden auf dem kulturellen Umfeld des
griechisch-römischen Mittelmeerraumes und wurden in viele Länder getragen,
insbesondere durch Petrus und Paulus in die Hauptstadt Rom, wo sie das
Martyrium erlitten. Von Rom aus erfolgte die Missionierung Europas, das die
geistigen Errungenschaften und politische Grundlagen der Antike übernahm.
Irrlehren führten zu christologischen Definitionen auf
den Konzilien von Nikaia und Chalkedon, die indes die Glaubensstreitigkeiten im
Byzantinischen Reich nicht beendeten. So konnte auf der arabischen Halbinsel
keine überzeugende Missionierungsarbeit betrieben werden. Mohammeds religiöse tour de force entstand somit in einem
religiös-kulturellen Vakuum, das nach einer Entscheidung drängte.
2. Bevor das
Christentum 313 Staatsreligion wurde, hatte es gegen die hochentwickelte antike
Philosophie und Geisteswelt sowie gegen die offizielle Staatsreligion eine
schwere Bewährungsprobe zu bestehen. Durch sie gestärkt, konnte es sich
überzeugend in andere Länder ausbreiten.
Die Rationalität griechischen und römischen Denkens
erweist sich bis heute für die christliche Theologie als unschätzbare Hilfe.
Dem Islam fehlen diese Grundlagen völlig.
3. Das antike
Erbe spiegelte sich im Fächerkanon der mittelalterlichen Universität wider:
Theologie war ein Fach neben den Artes Liberales, der Iurisprudenz und der
Medizin. Weltliches und kirchliches Recht waren getrennt. Die Universitäten
ermöglichten die Freiheit des Denkens in den jeweiligen Sachgebieten.
4. Der Islam
konnte nur kurze Zeit zu einer Entfaltung des Geistes im 9. und 10. Jahrhundert
gelangen. Dann wurde es den Dogmen der Religion untergeordnet. Bis heute ist er
nicht zur Freiheit des Geistes gelangt.
Ursache hierfür ist der Koran selbst. Denn man kann von
ihm keine größere Weisheit erwarten als die, deren Mohammed selbst fähig war.
Mohammed selbst war ungelehrt, seine Weisheit beschränkte sich auf das, was ihm
eine lange gleichbleibende beduinische Tradition zur Verfügung stellte und was
er durch Hörensagen dazulernte.
Die Freiheit des Geistes erfordert von Muslimen zu
erkennen, daß Gottes Wort zwar zu bestimmten geschichtlichen Zeiten an
bestimmte Menschen offenbart wurde, daß es aber gleichzeitig eine überzeitliche
Bedeutung für alle Menschen hat. Daher können Muslime die bildgewaltige Sprache
Jesaias, die Frömmigkeit der Psalmen und die Weisheit der Evangelien ohne
Vorurteil ebenso als ihr Eigentum ansehen wie alle Menschen guten Willens. Denn
alle Menschen sind nach der Zusage Gottes Kinder Abrahams.
Erstellt: September 2008