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VI. Religiöse Aussagen

Der Lateinkundige wird bereits bemerkt haben, daß ALAS auch 2.Ps.Sg. Koniunktiv Präsens von alere sein kann. Bezieht man die Anrede auf arator, so ergibt sich die Aussage:

ARATOR, ALAS ARTES Pflüger, ernähre die Künste!

Nun hat das Wort ARATOR eine ähnliche Bedeutung und denselben Zahlenwert wie SATOR – der Sämann. Das Wort sator, wie in dem Artikel DAS SATOR QUADRAT dargelegt, hat die Bedeutung Schöpfer. Nachdem Gott die Welt und den Menschen geschaffen hat, trägt er Sorge für die Ausbreitung der Kultur. Also würde man ARATOR, ALAS ARTES übersetzen mit

Gott, fördere die Künste und Kultur der Menschen.

Die 13 mit A beginnenden Wörter in Dädalus und Ikarus bestehen aus 2*31 Buchstaben. Das Wort ALAS selbst hat den Zahlwert 31 und weist auf Ovids Kenntnis von der Einheit der drei göttlichen Personen hin. Das Dezimalsystem und die dazu gehörenden geometrischen Figuren bieten zu dieser Erkenntnis ausreichende Grundlagen. Von besonderer Bedeutung ist das Verhältnis der beiden konzentrischen Kreise des Dezimalsterns 1:3 (kleiner Kreis zu großem Kreis) bzw. 1:2 (kleine Kreisfläche zu restlicher Kreisfläche).

Zu ALAS paßt noch der weitere Akkusativ AURAS, der ja als Abwandlung zu den beiden Formen AURA zur Füllung der Doppelraute führte. Die Übersetzung ARATOR, ALAS AURAS geht nun schon über die Grundbedeutung von ARATOR hinaus und lautet etwa: Gott, fördere und segne die Lüfte. Mit dem Adjektiv divina verbunden, heißt aura auch Seele. Vielleicht formt Ovid in einer weiteren religiösen Abstraktion die Vorstellung: Gott, fördere die Seelen. Anm.1)

Die drei Akkusative ARTES (2) und AURAS ergeben drei Anrufungen, die aus je 9 Buchstaben bestehen. Sie können auf eine Doppelraute so verteilt werden, daß die vertikalen Schnittpunkte jeweils dreimal besetzt sind. Die Summe der Zahlenwerte (ALAS 31, ARTES 60, AURAS 57) ist 270, das ergibt den ZW 10 je Buchstabe.

 

Nun kommt ARTES ein drittes Mal in Zeile 52 (8,234) vor – aber eben nicht am Ende der Zeile – und gibt den Anstoß, alle drei gleiche Formen noch einmal mit ALAS zu verbinden und ein Kreuz mit der vorhergehenden Anordnung zu bilden. Da der Mittelpunkt bereits dreimal besetzt ist, ergibt die Rechnung den Zahlenwert 2*270 = 540 statt 543.

Die Form ARTES kommt also wie ALAS dreimal vor, aber nur zweimal innerhalb des Rahmens der mit A beginnenden Wörter am Ende der Zeilen. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von 5:1 Wörtern. Die Wörter ALAS (3), ARTES (2) haben den Zahlwert 213, addiert man ARTES mit 60 hinzu, erhält man das Produkt 21*13 = 279, was der Zahl 213 entspricht, da die 1 sowohl zu 2 als auch zur 3 gezogen werden kann. Ovid zielt also auf ein trinitarisches Ergebnis hin.

Aber auch die Zeilennumerierungen sind auf einander abgestimmt. Die beiden ersten ARTES kommen in der 6. und 33. Zeile vor, zusammen 39, das dritte in Zeile 52. Die beiden Zahlen haben 13 als gemeinsamen Faktor, so daß sich 13*(3+4) = 13*7 = 91 ergibt. Da 9+1 = 10 und die Dezimalzahl 10 das trinitarische Quadrat 3*3 zusammenfaßt, kommt diesen beiden Zahlen besondere Bedeutung zu.

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Anm.1) Das Wort AURAS steht in Zeile 46 und bezeichnet das schuldhafte Scheitern des Ikarus. Das Schicksal hat ihn ereilt, nachdem ihm der Vater in Zeile 23 ans Herz gelegt hat, nicht zu hoch zu fliegen, damit die Sonne die Federn nicht versenge (ADURAT). Zeile 23 ist die Mittelachse der 13 Zeilen, in denen das letzte Wort mit A beginnt, Zeile 46 das letzte. Beide sind also in besonderer Weise aufeinander bezogen. Die Addition beider Zahlen ergibt den Zahlenwert 69 von SATOR bzw. ARATOR. Die Zahl 23 bezeichnet den doppelt numerierten Kreisdurchmesser, die Zahl 46 die zweite und dritte Achse des regelmäßigen Sechsecks. Damit eröffnet sich eine weitere religiöse Aussageebene: An den Schöpfergott richtet sich die Bitte: ADVRAT AVRAS

Er möge die Seelen anbrennen.

Gemeint sind drei Dinge, Gott möge sein Gesetz den Seelen einbrennen und er möge die Seelen mit dem Feuer der Liebe erfüllen und durch Feuer die Seelen von Schuld reinigen.

Die 13 Wörter haben den Zahlenwert 639 = 9*71, die 7 Grundwörter den ZW 291, die übrigen 6 den ZW 348. Nun wurde das Wort AVRAS den 7 Grundwörtern hinzugefügt, um die Linien der Doppelraute zu bezetzen. Da AVRAS den ZW 57 besitzt und dies der Differenzwert beider Wortgruppen ist, verschieben sich deren Zahlwerte einfach. Das Wort AVRAS kann also als Mittelachse zweier gleicher Zahlwerte angesehen werden und verdoppelt in Kreuzform gesetzt werden. Addiert man die 5 Werte ergibt sich die ideale Umkehrzahl 1221 = 11*111.

Auch das Wort AVRAS selbst kann in Kreuzform dargestellt werden, indem man im Uhrzeigersinn die ersten beiden Buchstaben bezeichnet, mit dem 3. Buchstaben den Mittelpunkt besetzt, den 4. Buchstaben als Gegenpol des 2. Buchstaben setzt und gegen den Uhrzeigersinn mit dem 5. Buchstaben die Kreuzform abschließt.

Liest man die Horizontalachse von links nach rechts und fährt gegen den Uhrzeigersinn weiter, kann man lesen

ARS URAS oder ARSURA

Kunst, du mögest in Brand setzen bzw.

eine Kunst, die leuchten wird.

Ovid als OPIFEX versteht seine Kunst als ein Werk, das vom göttlichen Hauch (AVRA) inspiriert ist und die Menschen mit Gottes wunderbaren Ordnung erfüllen soll.

Das Wort AVRAS hat besondere Symmetrie-, Axial- und Dezimaleigenschaften. Zunächst weist die Zahl 57 = 3*19 auf die 3*9 Elemente der Doppelraute (links, Mitte, rechts) hin, die sich bei doppelter Zählung und doppeltem MP ergibt: (4+1+4) +(4+1+1-4) = 19. In Kreuzform ergibt die Zahl 9 drei Zählweisen: die reale Zählung:9+8=17 (R); die gleichberechtigte 9+9=18 (S); die Zählung mit drei Mittelpunkten 9+10=19 (T) vgl.SATOR.

Die Symmetriebetrachtung von AVRAS ergibt (1+20)+17+(1+18), addiert 21+17+19. Die beiden Zahlen 21+19 sind konstitutiv für 40, das aus 4*10 besteht und die Tetraktys in multiplizierter Form darstellt.

Wenn wir die Faktorenwerte von AVRA nebeneinandersetzen, ergeben sich der Form nach die Buchstaben TRS: (1+9)+(17)+(1+8), addiert jedoch 10+17+9. Addiert man die beiden Außenzahlen, erhalten wir die beiden Achsen 4*4+1=17 und 4*4+3=19.

 

Erstellt: Mai 2002

 

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